CINEMArvelous: Die Schöne und das Biest

Filmkritik – Die Schöne und das Biest

Zum Leben erweckt

Die Real-Verfilmung „Die Schöne und das Biest“ von Bill Condon basiert auf Disney´s Zeichentrick-Musical von 1991 und reichert die Originalgeschichte lediglich an ohne sie zu verändern.
Die schöne Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem etwas verschrobenen Vater Maurice (Kevin Kline) in einem kleinen, engstirnigen Dorf in Frankreich. In der Nähe befindet sich ein verwunschenes Schloss. Im Prolog wird erzählt, dass es sich vor einigen Jahren dort begab, dass eine fiese, alte Schrulle eines Abends um Unterkunft bat und der Hausherr (Dan Stevens) sie abwies.  Die Frau warnte ihn sich nicht von ihrem Äußeren täuschen zu lassen und bot ihm im Gegenzug eine rote Rose an, doch der Prinz blieb eisern und die hässliche Zauberin verwandelte sich in eine wunderschöne, junge Fee. Als Strafe für seine Kaltherzigkeit belegte sie das Schloss mit samt all seiner Bewohner mit einem Fluch: Der gutaussehende Prinz verwandelte sich in ein furchteinflößendes Biest und sein Personal in Gegenstände wie Uhren, Kerzenständer und Porzellan. Sollte er es schaffen für jemanden Liebe zu empfinden und dessen Liebe ebenfalls zu gewinnen, bevor das letzte Blütenblatt der Rose verwelkt, wird der Bann gebrochen sein. Sollte er es nicht schaffen wird der Zauber nie wieder rückgängig gemacht werden können und jeder seine Lebendigkeit verlieren.
Durch den Zauber erinnert sich niemand mehr an ihre Existenz und so geht das Leben im Dorf weiter, während das Schloss und seine Bewohner in Vergessenheit geraten sind.
Maurice, der als Erfinder sein Geld verdient, macht sich eines Tages mit seinem treuen Pferd Phillipe auf den Weg zu einem Markt, um dort etwas zu verkaufen. Hierbei führt ihn der Weg durch einen dunklen Wald, indem er von einem Rudel Wölfe angegriffen wird. In seiner Not flieht er in das verzauberte Schloss und bekommt schon bald das Gefühl, dass etwas Unheimliches vor sich geht. Erschrocken stolpert er nach draußen und entdeckt auf seiner Flucht eine Rosenranke. Seine Tochter Belle wünscht sich bei jeder seiner Reisen eine Rose von ihm und so pflückt er eine der Blumen im Schlossgarten. Das Biest, sichtlich unerfreut über den Diebstahl, sperrt Maurice dafür in den Kerker. Sein Pferd Philiipe schafft es zu fliehen und reitet geradewegs nach Hause. Belle merkt sofort, dass etwas nicht stimmen kann und lässt sich von Phillipe zu ihrem Vater reiten, um dort seinen Platz einzunehmen.  Den Schlossbewohnern ist schnell klar, dass sie „die Eine“ sein könnte, die den Bann bricht und so setzen der Kerzenständer „Lumiére“, die Uhr „Herr von Unruh“ und die Teekanne „Madame Pottine“ , alles daran, dass Belle erkennt, dass der Herr gar nicht so ein schlechter Kerl ist, wie er zu sein scheint. Unterdessen ist Maurice zurück im Dorf, wo er die Bewohner um Hilfe bittet seine Belle zu retten, doch niemand glaubt ihm. Einzig der eitle, narzisstische Gaston (Luke Evans), der Belle unbedingt zu seiner Frau nehmen möchte, weil sie die Schönste im Dorf ist und sein treuer Begleiter LeFou (Josh Gad) glauben ihm und ziehen mit ihm los, um sie zu retten. Niemand ahnt, dass Belle bereits auf dem besten Weg ist sich in das Biest zu verlieben.

Erwachsen geworden

Ich stand dem Film erst skeptisch gegenüber, die Filmplakate ließen die Figuren etwas düster wirken und ich befürchtete, die Geschichte könnte schauderhafte Züge bekommen haben, doch die Charaktere bekommen lediglich ein erwachsenes, prunkvolles Aussehen, während sie im ursprünglichen Zeichentrick verspielt und niedlich gezeichnet sind. Sie bekommen auch dadurch mehr Tiefe, dass sie mit Hintergrundgeschichten angereichert werden. So wird in der Neuauflage Belles Vergangenheit und der Tod der Mutter thematisiert, die an der Pest gestorben ist. Maurice ist nicht nur ein verrückter Erfinder, der in seiner eigenen Welt lebt, sondern ein liebender Ehemann, der nie über den Verlust seiner Frau hinweg gekommen ist. Auch die Kindheit des biestigen Prinzen wird etwas näher beleuchtet und gezeigt wie er so kaltherzig werden konnte.  Die Hexe darf sich darüber freuen, nicht nur Schlüsselfigur im Prolog zu sein.
Die Soundtracks von 1991 wie „Unsere Stadt“, „Die Schöne und das Biest“ und „Sei hier Gast“ und „Gaston“  sind mit ihrem Originaltext erhalten geblieben und so fühlt sich jeder Fan musikalisch sofort in heimischen Gewässern und darf sich sogar über weitere Lieder freuen. Nicht nur die Figuren sind ihren Vorlagen entsprungen und zum Leben erweckt, auch die Kulissen sind originalgetreu in die Realität umgesetzt worden.

Starbesetzung

In den Hauptrollen sind Emma Watson und Dan Stevens zu sehen. Während Dan Stevens wie die Wirklichwerdung seiner Zeichentrickvorlage aussieht, war ich von Emma Watson als Wahl der Belle zuerst nicht überzeugt. Belle hat im Original eine weiche und gutmütige Ausstrahlung, während Emma Watson sehr markante, starke Gesichtszüge hat. Allerdings muss ich sagen, dass es Belles selbstsicheren, furchtlosen Charakter unterstreicht und nehme meine Zweifel zurück. Luke Evans ist die Figur des Gaston wie auf den Leib geschnitten und auch Josh Gad stellt den anhänglichen, treudoofen LeFou authentisch dar.
Zum Ende des Films darf man sich auf ein Wiedersehen mit vielen Lieblingsdarstellern freuen. Nachdem das letzte Blatt der Rose gefallen ist und alle Bewohner dramatisch leblos erstarren, der Atem kurz anhält, wendet sich endlich alles zum Guten: Alle verwandeln sich zurück in Menschen und fallen sich in die Arme. Wir freuen uns mit Emma Thompson, Ewan McGregor, Stanley Tucci, Audra McDonald und vielen mehr, wir lachen mit Ian McKellen, der lieber wieder eine Standuhr sein würde, als wieder mit seiner Frau zusammen zu leben.

Kritik

Die Verfilmung machte Schlagzeilen dadurch, dass  der Film „Homopropaganda“ enthalten würde und daher sollte er in eigenen Teilen der Welt verboten bzw. zensiert werden. Ich war selber erst erschrocken darüber, dass ein Disneyfilm etwas Sexuelles (unabhängig davon, ob homosexuell oder nicht) offen thematisieren würde, denn für mich hatte Disney immer etwas Unschuldiges, Reines. Im Kino wartete ich allerdings vergeblich auf eine offensichtliche (homo)sexuelle Szene, die sich mir aufdrängt.
Tatsächlich himmelt LeFou seinen „Freund“ Gaston an, das ist aber nichts Neues. LeFou´s Charakter bewundert und verehrt Gaston bereits seit 1991. Er steht ihm immer treu ergeben zur Seite und lässt sich vor seinen Karren spannen. Und so trällert er ihm zu Ehren das Lied „Gaston“ in ihrem Wirtshaus. Auch das ist nichts Neues. Das sich LeFou in der Neufassung dazu etwas „weich“ gibt und räkelt finde ich mehr amüsant als es schlimm finden zu können.
Nach der Verwandlung am Ende des Films wird ein rauschendes Fest gefeiert und gemeinsam getanzt. Für den Bruchteil einer Sekunde sieht man LeFou mit einem anderen Mann tanzen (ich persönlich habe diese Szene beim Eintunken meiner Nachos in Sauce sogar verpasst) und finde das nicht mal im Ansatz protestwürdig.
Es wird im Film auch nicht erwähnt, dass LeFou homosexuelle Gefühle empfindet, es lässt sich nur interpretieren, wenn man dazu fähig ist. Für Kinder ist also nicht zwingend eindeutig, dass das Ganze überhaupt etwas bedeuten könnte. Viel eindeutigere (und anzüglicher) Witze oder Kommentare gibt es seit ewigen Zeiten in Filmen oder Serien, die Kinder trotzdem gefahrenlos schauen können, weil sie sie nicht verstehen. Und ich sehe auch hier keinen Grund diesen Film für Kinder zu verbieten oder sich von dieser Szene gestört zu fühlen, weil dort einfach nur zwei Menschen miteinander tanzen und das ist völlig in Ordnung!

Und die Moral von der Geschicht‘

Aus „Die Schöne und das Biest“ können Kinder wie Erwachsene höchstens etwas lernen und zwar:
  1. Nichts ist wie es scheint!
  2. Der Charakter ist entscheidend und nicht das Aussehen!
  3. Menschen sind alle gleich!
  4. Intoleranz ist genauso kleingeistig, wie es die Bewohner in Belle´s Dorf sind!Hier findet Ihr die Szene im Wirtshaus: https://www.youtube.com/watch?v=t5RuUcPTmdg

    Quellenangabe:
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/die-schoene-und-das-biest-der-erste-disney-film-mit-einer-schwulen-figur/19477750.html

    https://www.musikexpress.de/die-schoene-und-das-biest-schwulenhasser-rufen-zum-boykott-des-films-auf-761059/

 

 

 

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